Schwächere Inflationsrate: Wirklich eine gute Nachricht?


Wie z.B. die Welt heute meldet, hat sich die Inflationsrate wieder abgeschwächt. Viele werden das als gute Nachricht aufnehmen, doch ist sie das wirklich?

Eine geringe Inflationsrate bedeutet einen relativ hohen Realzins auf Geldbasis (für Nichtbanken also Bargeld). Für eine gesunde zeitliche Zinsstruktur müssten langfristige Guthabenzinsen mindestens 4% höher liegen, also in diesem Fall bei einem Realzins von ca. 3,1%. Je geringer dieser Abstand aber ausfällt, desto stärker ist die Neigung zu kurzfristigen Geldanlagen oder gar zum Bargeld (bzw. bei Geschäftsbanken zu Zentralbankguthaben).

Da Realinvestitionen aber mit einem noch höheren Risiko verbunden sind, z.B. weitere 4%, würden nur noch Investitionen mit einer Renditeerwartung von deutlich über 7% durchgeführt werden. Alle anderen Investitionen werden bei ordentlicher Kalkulation unterbleiben und die damit verbundenen Arbeitsplätze nicht entstehen bzw. bei nötigen Folgeinvestitionen wegfallen.

Eine zu geringe Inflationsrate fördert also den Druck auf den Arbeitsmarkt (siehe auch (1)). Wenn nicht in Form von Arbeitslosigkeit, dann in Form niedrigerer Löhne. Denn auch diese sind – wie Zinsen – Kosten. Und nur mit niedrigeren Löhnen könnte also ein Ausgleich geschaffen werden. Oder natürlich, der Staat füllt die Lücke und investiert auf Pump, was natürlich mit einer steigenden Staatsverschuldung einhergehen würde – welche unsere Bundesregierung nun gerade explizit (Schuldenbremse) verhindern will. Wer realisiert aber realisiert diese Zusammenhänge?

Ein völlig anderes Thema ist, wie heutzutage Inflation „gemacht“ wird, nämlich auch durch Neuverschuldung. Haben wir also die Wahl zwischen Teufel und Beezlebub? Nein, es gibt noch andere Wege, doch diese erfordern ein neues Denken (2).

(1: Mir scheint, daß das Deutsche Volk – zugespitzt – 5% Preisanstieg eher vertragen kann, als 5% Arbeitslosigkeit.“ – Helmut Schmidt in Süddeutsche Zeitung, 28. Juli 1972, S. 8)

(2: Das Zitat Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. wird gemeinhin Albert Einstein zugeschrieben)

Inflation (k)ein approbates Mittel zur Staatsentschuldung?

Die landläufige Meinung ist, dass Inflation keine Möglichkeit wäre, die Staatshaushalte zu entschulden, weil die Inflation immer in den Zins eingerechet werden könne. Doch liegt das an der Inflation selbst oder an der Art und Weise, wie sie entsteht?


Die landläufige Meinung ist, dass Inflation keine Möglichkeit wäre, die Staatshaushalte zu entschulden, weil die Inflation immer in den Zins eingerechet werden könne.  Das ist jedoch genaugenommen nur dann der Fall, wenn der Gleichgewichtszins auch darüber liegt. Und dann wiederum ist es logisch dass der Zins so hoch ist, doch hat es real gesehen wenig mit der Inflation zu tun sondern eben nur nominal.

Wie sollten die potentiellen Gläubiger bei hoher Inflation und gleichzeitig niedrigem Gleichgewichtszinsniveau auch die potentiellen Schuldner dazu zwingen können, überhöhte Zinsen zu zahlen? Geld behalten, geht nicht, wegen Inflation. Schachinvestition geht auch nicht, weil ein niedriger Gleichgewichtszins ja gerade deshalb niedrig ist, weil die Sachkapitalrendite es auch ist. Gold kaufen ist eher eine Einzellösung, denn: Wer verkauft es? Und international betrachtet (immerhin sind nun gearde praktisch alle Staaten der Welt in der Rezession) gibt es auch keine Devisenkäufe mehr, die mehr Rendite abwerfen würden.

Üblicherweise ist es aber im derzeitigen Geldsystem dennoch so, dass im Boom Zins und Inflation hoch sind (z.B. Anfang der 1970er Jahre) und in der Rezession beides niedrig ist (z.B. jetzt). Somit kann der Irrglaube leicht aufkommen, die Inflation würde immer in den Preis eingerechent werden. Bei der Art und Weise wie wir die Inflation „machen“ (durch Neuverschuldung) ist es nämlich tatsächlich scheinbar der Fall. Und schon durch die dafür nötige Neuverschuldung der Staaten, wäre die Idee, die Staaten könnten sich darüber entschulden natürlich ad absurdum geführt.

Wird die Inflation aber anders gemacht, nämlich ohne Neuverschuldung durch Geld drucken – und damit der anteiligen Entwertung des bereits umlaufenden Geldes, sieht es ganz anders aus. Dummerweise wurde mit dem “Geld drucken” so lange gewartet, bis es zu spät war und dies gleich in Hyperinflation umschulg, was natürlich auch wieder schlecht ist. Stattdessen wird (wie jetzt) Inflation durch Neuverschuldung gemacht – und bei niedrigem Zinsniveau entstehen dann eben keine Preissteigerungen, sondern vor allem wird (Hyper-)Inflationspotential aufgebaut (aber noch nicht realisiert).

Was könnte also eine Lösung sein? Die Zentralbanken könnten tatsächlich einfach moderat Geld drucken und ohne reale Neuverschuldung der Staaten eben diesen Staaten das neue Geld geben. Einzig gäbe es das Problem der Verbuchung dieser Aktion – und das vor allem deshalb weil der Notenwert und die Recheneinheit ein und dieselbe sind. Doch hierfür wird sich sicherlich eine buchungstechnische Lösung finden. Doch es gäbe auch andere – vielleicht sogar bessere – Lösungen, z.B. das im Umlauf befindliche Geld zu entwerten und es gegen Gebühr gegen neues, gültiges Geld umzutauschen.

Nominal (in Zahlenwerten) sind beide Ansätze grundverschieden. Doch beide Ansätze hätten eines gemeinsam, rechnet man in Realvermögen und Realzinssätzen – also inflationsbereinigt – würden beide einen negativen Realzins realisieren. Wohlbemerkt nur in Zeiten, in denen der Gleichgewichtszins negativ ist – wie vermutlich jetzt.