Preisfrage – warum kleben die meisten Ökonomen am Tauschparadigma?


Beim Tauschparadigma ist zuerst der Überschuss der Sparer, der für Investitionen verliehen wird. Im Kapitalismus ist zuerst die Schuld der Vorfinanzierung, deren Tilgung der Sparer verhindert. Im Tauschparadigma ist der Sparer also der Held, der die Investitionen ermöglicht, in der blöden Realität ist der Geldsparer der Schuldentreiber.

Preisfrage – warum wechseln die Ökonomen nicht von einer fiktiven Tauschwirtschaft zum real existierenden Kapitalismus? Für genehme Antworten stifte ich einen noch zu erstellenden Monologband zur Guthabenkrise. 🙂

Das Verschwinden der Nettoinvestition -systemisch oder demografisch?


Die Nettoinvestition ist eine entscheidende Systemgröße im Kapitalismus. Addiert mit dem Unternehmerkonsum und abzüglich der Geldvermögensbildung der übrigen Sektoren bildet sie den gesamtwirtschaftlichen ordentlichen Gewinn aller Unternehmen. Ohne Gewinnaussichten werden die Unternehmer aber das Wirtschaften nicht vorfinanzieren wollen und können. Eine kapitalistische Wirtschaft ohne  gesamtwirtschaftliche Gewinnaussichten des Unternehmenssektors kommt in eine selbstverstärkende Krise. Die Investitionsausgaben werden gestrichen, was die Gewinnaussichten in den Folgeperioden noch stärker reduziert.  Dies gilt insbesondere, wenn bei erreichtem Nullzins keine Zinssenkungen und damit keine Veränderung der Investitionsneigung der Unternehmer  sowie der Neigung zur Geldvermögensbildung der restlichen Sektoren mehr möglich ist. Besonders gefährlich, wenn man sich vor der aufziehenden Flut auch noch zusätzlich  die Hände mit Staatsschuldenbremsen  bindet.


Nun ist die deutsche Nettoinvestition über die Jahrzehnte stark gesunken – von 17% BIP  in 1970 auf heute um die Nulllinie pendelnd. In einer Diskussion mit dem geschätzten Herrn Felsberger kam es nun zum Dissens, ob es sich hierbei um einen endogenen Prozess aus kumulierten Abschreibung oder um ein demografisches Problem handelt.

Zum Beweis der systemischen Entwicklung hätte ich neben der Empirie ein einfaches Rechenbeispiel  anzubieten. Eine kapitalistische Wirtschaft startet nach dem Krieg mit zerstörtem Kapitalstock und zerstörter Währung bei Null. Wir gehen zur Vereinfachung von einer linearen Abschreibungsdauer aller Anlagegüter von 10 Jahren und einer nominal konstanten Investition aus. Im ersten Jahr wird zu 100 investiert – und zu 10 abgeschrieben – die Nettoinvestition ist dann logischerweise 90% der Bruttoinvestition. Im zweiten Jahre werden nun aber schon 20 von 100 abgeschrieben, die Abschreibung auf die Investition zu 100 aus Jahr 1 und Jahr2 – wir landen bei 80% Nettoinvestition der Bruttoinvestitionen. Und im Jahr 10? Rechnen Sie es selbst nach – die Nettoinvestition ist verschwunden!

Natürlich sind die Investitionen aber jährlich nominal gewachsen. Deshalb hat es eben nicht nur 10 Jahre gebraucht, bis wir an diesen kritischen Punkt gekommen sind, den Deutschland heute scheinbar nur noch mittels unhaltbarer Exportüberschüsse = Defizite des Auslandes beherrschen kann.  Diese führen durch ihre absurde Höhe von über 200Mrd.€/a ja per Saldo zu einem Defizit der Geldvermögensbildung  der übrigen Sektoren, was einen Gewinn des Unternehmenssektors auch ohne Nettoinvestition ermöglicht. Nur werden wir in einem zunehmend deflationären globalen Umfeld den Exportüberschusskrieg nicht so weiter führen können, ohne selbst in einer geeigneten Form angegriffen zu werden.

Sie können aber beruhigt sein, es gibt auch eine friedliche Lösung für einen Kapitalismus ohne Nettoinvestition, ausgeglichenen Exportsalden und mit Staatsschuldenbremse. Die Guthabenbremse ist die Alternative zur klassisch unfriedlichen Lösung des Problems.

Fehlt es dem Ökonomie-Studium an Pluralität oder am Fokus?


Folgende These möchte ich zur Diskussion stellen.
VWL ist heute trotz eskalierendem Problemstau eine völlig unnütze Wissenschaft, da sie sich bisher mit dem real existierenden Kapitalismus kaum befasst hat.

Im Studium geht es ja immer noch um eine fiktive Tauschwirtschaft, in dem Geld und Ware zum Tausch im Markt irgendwie da sind? Nun gibt es für diese fiktive Tauschwirtschaft eine neoklassische Theorie, welche wohl die Ausbildung beherrscht.
Ist es aber nicht völlig unnütz, dem für gesamtwirtschaftliche Betrachtungen falschen Tauschparadigma plurale Betrachtungen zuzuordnen? Es fehlt schlicht der Wechsel des Paradigmas zur Vorfinanzierungswirtschaft, also die Grundlagenarbeit zum real existierenden Kapitalismus. Danach könnte man überlegen, wie man diesen vernünftig steuert, also ein sehr fokussiertes, aber aus meiner Sicht extrem notwendiges Vorgehen?

Was denkt Ihr darüber?

Kapitalismus – Sinn, Funktion, Krisen, Crash und Kriegsgefahr + nachhaltige Lösungen


Direktlink – http://www.Kapitalismus-verstehen.de

Guthabenbremse + steuerndes Grundeinkommen = nachhaltiger Kapitalismus

Dieser Artikel erläutert die Gründe, wer lieber Erklärungen hört und sieht, statt zu lesen, kann sich diesen Film anschauen, der auch schon Lösungsansätze aufzeigt:

Der Beitrag liegt in der Beitragsfolge „VWL-Studium wird durch einen 2-Tage-Kurs ersetzt“, dieser Abschnitt würde dabei wohl 2 Stunden einnehmen. Die folgenden Ausführungen sind neben meiner langjährigen praktischen Tätigkeit als Kapitalist im Wesentlichen inspiriert von Dr. Paul. C. Martin, Prof. Wolfgang Stützel und Karl Marx. Die grundlegende Unternehmer-Gewinnformel habe ich auch via Wolfgang Stützel kennengelernt, diese gesamtwirtschaftliche Logik wurde aber erstmals 1930 im Buch „Treatise on Money“ von J.M.Keynes niedergeschrieben.

1. Sinn des Kapitalismus
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„Junker Jörg“ und die Frauenkirche – willkommen im Reformationsjahr 2013


2013-01-01 11.04.31

Seit drei Jahren verbringe ich mit meiner Frau den Jahreswechsel in Dresden und besuche als Agnostiker die letzte Andacht des Jahres in der Frauenkirche. Dabei beobachten wir, wie realitätsorientiert und „nützlich“ die Ansprachen des Geistlichen sind. Neben dem sinnvollen Halt im Glauben wird echte Lebenshilfe zu den Schicksalsgesetzen dieser Welt transportiert. Als in Nutzen denkender Unternehmer kann ich nur sagen, dass hier gesellschaftliche Wertschöpfung betrieben wird.

Dies fällt vor allem im Vergleich zur unreformierten Geldreligion auf. Die meisten der dortigen Prediger (die VWL-Schriftgelehrten) werden nicht müde, die Realität in Form der volkswirtschaftlichen Buchhaltung ebenso zu ignorieren wie die zugehörigen Naturgesetze (Saldenmechanik). Wo ist hier die gesellschaftliche Wertschöpfung?

Die Frauenkirche in Dresden wurde im Zuge einer Krise des Kapitalismus zerstört und durch seine Kraft wieder aufgebaut – welch ein Symbol seiner heutigen Widersprüchlichkeit. Und natürlich steht diese Kirche heute als Mahnmal für den millionenfachen Tod und das Leid, das die Eskalation kapitalistischer Krisen über die Menschen bringt.
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