Karl Marx und das Kapital, warum hat der erste „Vorfinanzierungsökonom“ den Mehrwert als Ausbeutung kritisiert?

herzlichen Dank an @Widerborstig für seinen Kommentar und Zitate aus dem Kapital unten. Offensichtlich war der alte Karl vor 150 Jahren oft schon deutlich weiter, als die meisten „Tauschökonomen“ heute:

»So. Das “Tauschparadigma” haben wir seit Smith, Ricardo, Marx.«

So, so. Seit Marx. Wie kommt es dann zu G – W – G’ oder kürzer G -G’?

Ich fürchte, Marx auf das Tauschparadigma zu reduzieren, geht an der Sache vorbei. Nur weil Marx von der Doppelgesichtigkeit der Ware mitTauschwert und Gebrauchswert gesprochen hat, ist es – vorsichtig formuliert – arg verkürzt, Marx ein Tauschparadigma anzudichten.

Z.B.: „Nehmen wir einen einzelnen Kapitalisten, der sein Geschäft eröffnet, z.B. einen Pächter. Während des ersten Jahres schießt er ein Geldkapital, sage von 500000 Euro vor, in Zahlung von Produktionsmitteln (400000 Euro) und von Arbeitskraft (100000 Euro). Die Mehrwertrate sei 100 %, der von ihm angeeignete Mehrwert = 100000 Euro. Die obigen 500000 Euro schließen alles Geld ein, was er als Geldkapital vorschießt.

Aber der Mann muss auch leben, und er nimmt kein Geld ein vor Ende des Jahres. Sein Konsum betrage 100000 Euro. Diese muss er besitzen. Er schießt dies Geld nicht vor als Kapital. Er verausgabt es, zahlt es fort für ein Äquivalent in Lebensmitteln, die er verzehrt. Dieser Wert ist von ihm in Geld verausgabt, in die Zirkulation geworfen und in Warenwerten entzogen worden. Diese Warenwerte hat er verzehrt.

Am Ende des Jahres nun wirft er in die Zirkulation einen Warenwert von 600000 Euro und verkauft ihn. Damit fließt für ihn zurück: 1. sein vorgeschossenes Geldkapital von 500000 Euro; 2. der versilberte Mehrwert von 100000 Euro.
Er hat 500000 Euro als Kapital vorgeschossen, in die Zirkulation geworfen, und entzieht ihr 600000 Euro, 500000 Euro für Kapital und 100000 Euro für Mehrwert.

Die letzteren 100000 Euro sind versilbert mit dem Geld, das er selbst nicht als Kapitalist, sondern als Konsument in die Zirkulation geworfen, nicht vorgeschossen, sondern verausgabt hat. Sie kehren jetzt zu ihm zurück als Geldform des von ihm produzierten Mehrwerts. Und von nun an wiederholt sich diese Operation jährlich.“ K. Marx, Kapital 2.: 336.

so weit @Widerborstig

Nun kann man Karl Marx eventuell noch unterstellen, dass er die Zahlungsmittelschöpfung nicht verstanden hatte, wie dies Dr. Paul C. Martin hier tut. Dies finde ich aber eine wenig ergiebige Frage – ich suche eine Antwort auf etwas ganz Anderes. Ich hatte bisher auch geglaubt, dass Marx seine Kritik am Mehrwert aus dem Tauschparadigma herleitet. Nur wenn dies nicht so ist, wäre folgende Frage offen:

Seine Kritik am Mehrwert speist sich dann aus der Geringschätzung des Risikos im Zeitverlauf? Oder eben aus der Vorstellung, dass das vergesellschaftete Risiko zu sozialeren Ergebnissen führt? Oder ganz anders? Das man Mehrwert/Gewinne aus stark vermachteten Strukturen kritisieren und auch beSTEUERN müsste, ist übrigens jetzt hier nicht die Frage, Marx hat den Mehrwert ja generell als Ausbeutung bezeichnet?

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Dieser Artikel erläutert die Gründe, wer lieber Erklärungen hört und sieht, statt zu lesen, kann sich diesen Film anschauen, der auch schon Lösungsansätze aufzeigt:

Der Beitrag liegt in der Beitragsfolge „VWL-Studium wird durch einen 2-Tage-Kurs ersetzt“, dieser Abschnitt würde dabei wohl 2 Stunden einnehmen. Die folgenden Ausführungen sind neben meiner langjährigen praktischen Tätigkeit als Kapitalist im Wesentlichen inspiriert von Dr. Paul. C. Martin, Prof. Wolfgang Stützel und Karl Marx. Die grundlegende Unternehmer-Gewinnformel habe ich auch via Wolfgang Stützel kennengelernt, diese gesamtwirtschaftliche Logik wurde aber erstmals 1930 im Buch „Treatise on Money“ von J.M.Keynes niedergeschrieben.

1. Sinn des Kapitalismus
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