„Dann geht doch rüber“ – bald Export von Ökonomen nach Nordkorea?


Oft wird der Saldenmechanik entgegen gehalten, dass aus den Ableitungen von Identitäten allein noch keine ökonomischen Vollaussagen möglich sind. Wenn man jetzt aber nur eine weitere Grundannahme trifft, den kapitalistischen KÄUFERMARKT mit seinem Angebotsüberschuss, wird dies völlig anders.

Dann kann man z.B. aus der Identität:

private Verkaufsüberschüsse (globale Geldvermögensbildung) = staatliche Kaufüberschüsse (globale Staatsverschuldung)

herleiten, dass die Geldsparer die globalen Staatsschuldentreiber sind. Einfach weil keine Angebotsknappheit wie in Verkäufermärkten ihren Nachfrageverzicht bedingt. Niemand kann mit demokratisch akzeptierten Mitteln aktuell die private Geldvermögensbildung ausreichend sanktionieren.

Bei den Horterökonomen werden dagegen die Verhältnisse des Verkäufermarktes postuliert, die für sozialistische Staaten mit ihrer Unterproduktivität typisch sind. In der DDR haben wir am Ende nach Bestellung 10 Jahre auf einen neuen „PKW Trabant“  und 25Jahre auf einen „Wartburg“ warten müssen. So geht „crowding out“ – der Staat kauft uns alles weg!

Und so bleibt eben der Spruch aus dem Titel, den sich viele Linke vor dem Mauerfall immer wieder anhören mussten. „Dann geht doch rüber“, liebe crowding out Ökonomen, in das Land wo eure Theorie noch passt.

Qualitätstheorie des Geldsystems


Qualität schlägt bekanntlich Quantität, also will ich heute mal versuchen, der naiven Quantitätstheorie des Geldes eine Qualitätstheorie mittels gesamtwirtschaftlichen Denkens  gegenüber zu stellen.

1.Begriffsklärung
Geld ist ein unklarer Begriff – er ist für eine Qualitätstheorie deshalb nicht geeignet. Er wird für GELDVERMÖGEN (alle Kaufsalden) und für ZAHLUNGSMITTEL (durch Mithaftung  Dritter übertragbare Geldvermögen) verwendet. Eine Qualitätstheorie des Geldes unterscheidet streng zwischen Geldvermögensänderungen und Änderungen der Zahlungsmittelsalden.

2. Preisniveau
Weder die absolute Menge aller Geldvermögen noch die absolute Menge der Zahlungsmittel haben direkten Einfluss auf das Preisniveau. Preise kalkulieren Unternehmer einzelwirtschaftlich anhand ihrer Kosten, der Wettbewerbsintensität und strategischer Überlegungen. Preisanker im System sind länger laufende Kontrakte,  am wichtigsten dabei  die Arbeitsverträge als Hauptkostenblock. Für die Einhaltung des Inflationsziels ist also eine jährliche Erhöhung der Löhne um Zielinflation + Produktivitätswachstum erforderlich.

3. Konjunktur
Die Konjunktur wird in Käufermärkten durch die Pläne für Konsum und Investition bestimmt. Dabei sind die Investitionsausgaben die größere potentielle Instablität mit starker gesamtwirtschaftlicher Rückkopplung. Erfolgen Investitionsausgaben unfreiwillig in den Lagerbestand, werden Unternehmen in der Folgeperiode weitere Ausgaben kürzen. Dagegen führen planmäßige steigende Investitionen zu gesamtwirtschaftlich steigenden
Gewinnen, da ja der gesamtwirtschaftliche Gewinn mit der Nettoinvestition identisch ist. Steigende Gewinne führen auch wieder zu planmäßigen Folgeinvestitionen.

4. Geldsystem und Konjunktur – 3 Zusammenhänge.

a. Plankongruenz der Geldvermögensänderungen (Quelle Logik, Stützel, Saldenmechanik)
Haben die Wirtschafter am Ende einer Periode mehr Geldvermögen als geplant, führt dies in der Folgeperiode zu potentiellen Mehrausgaben. Im umgekehrten Fall werden die Wirtschafter versuchen  in der Folgeperiode ihre Ausgaben zu kürzen. Dies wird bei mit Zahlungsmittelbeständen nur gering ausgestatteten Wirtschafter schon dadurch erzwungen, dass Ihnen eben diese Zahlungsmittelbestände für einen weiteren Abbau Ihrer Geldvermögen fehlen. Die Willigkeit und Fähigkeit der Wirtschafter solche Käufe dann auf Kredit (Zahlungsmittelschöpfung) auszuführen, wird sektoral sehr verschieden sein. Ein durch Einkommensverlust (Jobverlust) entsparter Arbeitnehmer wird seine Ausgaben sicherlich einschränken. Bei Staaten oder Unternehmen ist aber zu bedenken, dass diese
regelmäßig aus festen Kontrakten kaufen müssen, eine Verschuldung also hinnehmen müssen. Ein Staat als sehr großer Wirtschafter kann seine Verschuldung durch Ausgabenkürzungen regelmäßig auch nicht entgehen. Denn er kürzt hier natürlich auch seine Einnahmen – bei eh schon schlechter Konjunktur noch durch einen Hebel aus einbrechender Privatverschuldung verstärkt. So ist es kein Wunder, wenn bei der Austeritätspolitik in Südeuropa die Staatsverschuldung steigt.

b. Unternehmer-Gewinnformel  (Quelle Logik, Keynes, Lautenbach, Saldenmechanik )
Unternehmen und Staat finanzieren alle Einkommen der Wirtschafter vor. Vorfinanzieren meint hier, sie kaufen alle Leistungen ein, um dann später wieder eine Gesamtleistung zu verkaufen. Da das Verkaufen erst in einer ungewissen Zukunft unsicher möglich ist, entsteht in diesem Prozess für die Unternehmer ein Risiko, welches dieser nur gegen Gewinnaussichten eingehen wird. Gewinne und Gewinnaussichten spielen also eine sehr große Rolle, ob die Unternehmen Investitionsgüter und Arbeitsleistung planmäßig einkaufen. Die ordentlichen Gewinne der Unternehmen sind die Addition von Nettoinvestition und Unternehmerkonsum abzgl. der Geldvermögensbildung des Rest der Welt. Dieser „Rest der Welt“ sind in der Praxis die Geldvermögensentwicklung (Kauf Salden) von Nichtunternehmern, Staat und Ausland.

c. Zentralbankpolitik (Quelle Logik, Empirie, Stützel)
Bei überhitzender Konjunktur wird die Zentralbank versuche, durch Straffung der Bankenliquidität die Kreditvergabe für Käufe zu verknappen. Dies ist nur sehr eingeschränkt möglich, da sich die Zentralbank-Zahlungsmittel bei der Kreditvergabe ja nur dann aus Bankensicht verbrauchen, wenn diese Kreditvergabe zu einer erhöhten
Bargeldhaltung der Nichtbanken führt. Die Zentralbank kann aber über die Konditionen der Bereitstellung von Zentralbank-Zahlungsmitteln Einfluss auf das Zinsniveau nehmen. Auch dies ist nur mit gewissen Einschränkungen funktional, da die Notenbank zwar das aktuelle Zinsniveau beeinflussen kann, aber kaum die Erwartungen. Weiterhin fehlen der Notenbank geeignete Werkzeuge, wenn auch bei Nullzins die Punkte a. und b. auf eine deflationäre Abwärtsspirale hinauslaufen. Eine wesentlich verbesserte Notenbankkonstruktion habe ich schon 2012 hier beschrieben.

Situation/Konklusion
Es gibt ein friedensgefährdendes Gesetz der tendenziell sinkenden Profitrate, welches Karl Marx nur mit falschen einzelwirtschaftlichen Bildern  beschrieben hat.  Da sich mit Kriegsabstand die Investitionen immer stärker aus den steuerfreien Abschreibungseinnahmen finanzieren, wird aus Bruttoinvestion keine Nettoinvestition mehr. Die Nettoinvestition  (zzgl. Unternehmerkonsum)  ist aber nach Abzug der Geldvermögensbildung der Nichtunternehmer der Gewinn der Unternehmen. Im Ergebnis ist zur Vermeidung einer deflationären Abwärtsspirale ein Nullsaldo der Geldvermögensbildung der Nichtunternehmer erforderlich, welches
mit den Plänen der privaten Nichtunternehmer zur Geldvermögensbildung kollidiert.

Für diese Herausforderung müssen nachhaltige Lösungen gefunden werden, ansonsten wird sich die Geschichte mit einer „Abschreibung der Sachwerte im Stück“ , auch Krieg genant, wiederholen. Krieg ist die Fortsetzung der Wirtschaftspolitik mit anderen Mitteln.
Logisch ergibt sich aus den Finanzierungssalden der deutschen Volkswirtschaft, dass die Neigung zu Einnahmeüberschüssen als Sparform sanktioniert werden muss, wenn der Frieden erhalten werden soll. So eine Guthabenbremse regt das reales Sparen in Sachwerten an und erhöht damit das Volksvermögen. Eine gut gemachte Guthabenbremse tut also niemanden weh und sichert Frieden und Wohlstand. Es muss nur eben möglich werden, dass wir über Guthabenbremsen diskutieren können, um sie wirklich gut zu machen.

Verschuldung ist ein Kaufüberschuss – nicht etwa die Kreditaufnahme


Regelmäßig wird Verschuldung mit Kreditaufnahme verwechselt. Daraus folgt dann der Fehlschluss, dass der Staat ja nur keine neuen Kredite aufnehmen muss, um nicht weiter zu verschulden. Verschuldung entsteht aber nicht beim Bezahlen mit Kreditgeld, sondern beim Kaufen – dazu ein Bild:

Ihnen ist klar, sobald Sie beim Wirt das Essen bestellen, also kaufen, schulden Sie die Bezahlung. Weiterlesen „Verschuldung ist ein Kaufüberschuss – nicht etwa die Kreditaufnahme“

Finanzminister bekommt „Volkswirtschaftliche Saldenmechanik“


Ja, NUR der sächsische, 🙂 aber eine cooler Typ der Prof. Unland. Die sächsische Schuldenbremse (war das Thema des Abends) ist auch mehr so eine Schuldenautomatik. Schlau gemacht – die Schuldenphobiker beruhigen und dann einen automatischen Stabilisator bauen – Respekt.Bild

Saldenmechanik nun endlich bei Wikipedia


Ich danke herzlich Wolfgang Waldner, der dieses schon so lange ausstehende Projekt federführend geleitet hat. Weiterhin danke ich ihm auch für die Möglichkeit, dass ich daran ein klein wenig mitwirken durfte.

Saldenmechanik bei Wikipedia

Das Buch hier bei uns im Shop kaufen – danke für die damit mögliche Unterstützung unserer Arbeit!

2 + 2 = 4…Wolfgang Stützel hat es lange vor uns erkannt


Beitrag war original vom 17.Mai 2010

Saldenmechanik Seite 1/2/3 – Wolfgang Stützel 1958

..wird aber leider manchmal übersehen, dass es neben Zusammenhängen, die vom menschlichen Verhalten abhängen, und häufig auch als Zwischenglieder solcher Zusammenhänge, viele Größenbeziehungen in der Wirtschaft gibt, über die sich streng Allgemeingültiges aussagen lässt…
Es geht freilich bei diesen Zusammenhängen häufig um recht primitive Dinge.

So besteht zwischen der Wirtschaftstätigkeit des Herrn Schulze und der Tätigkeit aller übrigen Mitglieder der Weltwirtschaft außer zahllosen anderen Beziehungen auch noch der primitive Zusammenhang, dass stets, sooft Herr Schulze mehr verkauft und einnimmt als er selbst kauft und ausgibt, die „übrige Weltwirtschaft“ im gleichen Zeitraum einen gleichgroßen Überschuss Ihrer Käufe über Ihre gleichzeitigen Verkäufe haben wird, da offensichtlich jeder Verkaufsakt für den Partner einen Kaufakt darstellt. Man braucht, um derartige Zusammenhänge darzustellen, keine höhere Mathematik, es genügt, im Bewusstsein zu halten, dass eben auf dieser Erde stets 2 + 2 = 4 bleibt.

Man könnte vermuten, dass solche arithmetischen Zusammenhänge….stets so primitiv und so selbstverständlich sind….muss man leider feststellen, dass gerade diese primitiven Zusammenhänge vielfach nicht beachtet werden.

Buch nun wieder versandkostenfrei auf freie Rechnung lieferbar