Qualitätstheorie des Geldsystems

Qualität schlägt bekanntlich Quantität, also will ich heute mal versuchen, der naiven Quantitätstheorie des Geldes eine Qualitätstheorie mittels gesamtwirtschaftlichen Denkens  gegenüber zu stellen.

1.Begriffsklärung
Geld ist ein unklarer Begriff – er ist für eine Qualitätstheorie deshalb nicht geeignet. Er wird für GELDVERMÖGEN (alle Kaufsalden) und für ZAHLUNGSMITTEL (durch Mithaftung  Dritter übertragbare Geldvermögen) verwendet. Eine Qualitätstheorie des Geldes unterscheidet streng zwischen Geldvermögensänderungen und Änderungen der Zahlungsmittelsalden.

2. Preisniveau
Weder die absolute Menge aller Geldvermögen noch die absolute Menge der Zahlungsmittel haben direkten Einfluss auf das Preisniveau. Preise kalkulieren Unternehmer einzelwirtschaftlich anhand ihrer Kosten, der Wettbewerbsintensität und strategischer Überlegungen. Preisanker im System sind länger laufende Kontrakte,  am wichtigsten dabei  die Arbeitsverträge als Hauptkostenblock. Für die Einhaltung des Inflationsziels ist also eine jährliche Erhöhung der Löhne um Zielinflation + Produktivitätswachstum erforderlich.

3. Konjunktur
Die Konjunktur wird in Käufermärkten durch die Pläne für Konsum und Investition bestimmt. Dabei sind die Investitionsausgaben die größere potentielle Instablität mit starker gesamtwirtschaftlicher Rückkopplung. Erfolgen Investitionsausgaben unfreiwillig in den Lagerbestand, werden Unternehmen in der Folgeperiode weitere Ausgaben kürzen. Dagegen führen planmäßige steigende Investitionen zu gesamtwirtschaftlich steigenden
Gewinnen, da ja der gesamtwirtschaftliche Gewinn mit der Nettoinvestition identisch ist. Steigende Gewinne führen auch wieder zu planmäßigen Folgeinvestitionen.

4. Geldsystem und Konjunktur – 3 Zusammenhänge.

a. Plankongruenz der Geldvermögensänderungen (Quelle Logik, Stützel, Saldenmechanik)
Haben die Wirtschafter am Ende einer Periode mehr Geldvermögen als geplant, führt dies in der Folgeperiode zu potentiellen Mehrausgaben. Im umgekehrten Fall werden die Wirtschafter versuchen  in der Folgeperiode ihre Ausgaben zu kürzen. Dies wird bei mit Zahlungsmittelbeständen nur gering ausgestatteten Wirtschafter schon dadurch erzwungen, dass Ihnen eben diese Zahlungsmittelbestände für einen weiteren Abbau Ihrer Geldvermögen fehlen. Die Willigkeit und Fähigkeit der Wirtschafter solche Käufe dann auf Kredit (Zahlungsmittelschöpfung) auszuführen, wird sektoral sehr verschieden sein. Ein durch Einkommensverlust (Jobverlust) entsparter Arbeitnehmer wird seine Ausgaben sicherlich einschränken. Bei Staaten oder Unternehmen ist aber zu bedenken, dass diese
regelmäßig aus festen Kontrakten kaufen müssen, eine Verschuldung also hinnehmen müssen. Ein Staat als sehr großer Wirtschafter kann seine Verschuldung durch Ausgabenkürzungen regelmäßig auch nicht entgehen. Denn er kürzt hier natürlich auch seine Einnahmen – bei eh schon schlechter Konjunktur noch durch einen Hebel aus einbrechender Privatverschuldung verstärkt. So ist es kein Wunder, wenn bei der Austeritätspolitik in Südeuropa die Staatsverschuldung steigt.

b. Unternehmer-Gewinnformel  (Quelle Logik, Keynes, Lautenbach, Saldenmechanik )
Unternehmen und Staat finanzieren alle Einkommen der Wirtschafter vor. Vorfinanzieren meint hier, sie kaufen alle Leistungen ein, um dann später wieder eine Gesamtleistung zu verkaufen. Da das Verkaufen erst in einer ungewissen Zukunft unsicher möglich ist, entsteht in diesem Prozess für die Unternehmer ein Risiko, welches dieser nur gegen Gewinnaussichten eingehen wird. Gewinne und Gewinnaussichten spielen also eine sehr große Rolle, ob die Unternehmen Investitionsgüter und Arbeitsleistung planmäßig einkaufen. Die ordentlichen Gewinne der Unternehmen sind die Addition von Nettoinvestition und Unternehmerkonsum abzgl. der Geldvermögensbildung des Rest der Welt. Dieser „Rest der Welt“ sind in der Praxis die Geldvermögensentwicklung (Kauf Salden) von Nichtunternehmern, Staat und Ausland.

c. Zentralbankpolitik (Quelle Logik, Empirie, Stützel)
Bei überhitzender Konjunktur wird die Zentralbank versuche, durch Straffung der Bankenliquidität die Kreditvergabe für Käufe zu verknappen. Dies ist nur sehr eingeschränkt möglich, da sich die Zentralbank-Zahlungsmittel bei der Kreditvergabe ja nur dann aus Bankensicht verbrauchen, wenn diese Kreditvergabe zu einer erhöhten
Bargeldhaltung der Nichtbanken führt. Die Zentralbank kann aber über die Konditionen der Bereitstellung von Zentralbank-Zahlungsmitteln Einfluss auf das Zinsniveau nehmen. Auch dies ist nur mit gewissen Einschränkungen funktional, da die Notenbank zwar das aktuelle Zinsniveau beeinflussen kann, aber kaum die Erwartungen. Weiterhin fehlen der Notenbank geeignete Werkzeuge, wenn auch bei Nullzins die Punkte a. und b. auf eine deflationäre Abwärtsspirale hinauslaufen. Eine wesentlich verbesserte Notenbankkonstruktion habe ich schon 2012 hier beschrieben.

Situation/Konklusion
Es gibt ein friedensgefährdendes Gesetz der tendenziell sinkenden Profitrate, welches Karl Marx nur mit falschen einzelwirtschaftlichen Bildern  beschrieben hat.  Da sich mit Kriegsabstand die Investitionen immer stärker aus den steuerfreien Abschreibungseinnahmen finanzieren, wird aus Bruttoinvestion keine Nettoinvestition mehr. Die Nettoinvestition  (zzgl. Unternehmerkonsum)  ist aber nach Abzug der Geldvermögensbildung der Nichtunternehmer der Gewinn der Unternehmen. Im Ergebnis ist zur Vermeidung einer deflationären Abwärtsspirale ein Nullsaldo der Geldvermögensbildung der Nichtunternehmer erforderlich, welches
mit den Plänen der privaten Nichtunternehmer zur Geldvermögensbildung kollidiert.

Für diese Herausforderung müssen nachhaltige Lösungen gefunden werden, ansonsten wird sich die Geschichte mit einer „Abschreibung der Sachwerte im Stück“ , auch Krieg genant, wiederholen. Krieg ist die Fortsetzung der Wirtschaftspolitik mit anderen Mitteln.
Logisch ergibt sich aus den Finanzierungssalden der deutschen Volkswirtschaft, dass die Neigung zu Einnahmeüberschüssen als Sparform sanktioniert werden muss, wenn der Frieden erhalten werden soll. So eine Guthabenbremse regt das reales Sparen in Sachwerten an und erhöht damit das Volksvermögen. Eine gut gemachte Guthabenbremse tut also niemanden weh und sichert Frieden und Wohlstand. Es muss nur eben möglich werden, dass wir über Guthabenbremsen diskutieren können, um sie wirklich gut zu machen.

Wohlstand auf dem Lebenskonto – Übelstand im Kopf

von Erika Reglin-Hormann

Zwei bis drei Jahrzehnte im Job – was sagen solche Leute zum Grundeinkommen?

Eine sehr subjektive Erfahrung kann man dort machen, wo Künstler, Dozenten, Berater oder sonstwie relativ bescheidenem Erwerb Nachgehende auf Artgenossen treffen, die ebenfalls selbstständig sind.

Während der Kunstmaler oder wenig bekannte Schriftsteller – allein schon historisch – daran gewöhnt ist, mit seiner Art der Arbeit nicht unbedingt finanzielle Riesensprünge machen zu können, müssen sich beispielsweise Ärzte mit eigener Praxis erst noch an den Gedanken gewöhnen, dass ihr Berufsstand kein Garant mehr für bedingungslosen Wohlstand ist. Mancher ist seit zwanzig oder dreißig Jahren im Geschäft und muss seiner Einkommenskurve beim stetigen Herabsinken zuschauen. Schwer, das hinzunehmen und das Beste aus der Situation zu machen. Noch schwerer, andere aus der Verantwortung zu entlassen.

Wenig zufrieden scheint es zu machen, wenn man neben der Berufsausübung beispielsweise noch über eine Immobilie verfügt, in der man entweder selbst residiert oder andere wohnen lässt und somit die Verpflichtung eines Vermieters auf sich nimmt. Glücklich scheint man auch nicht mit der Tatsache zu sein, dass man die wichtigsten Fernreisen bereits unternommen, einen halbwegs vernünftigen Personenkraftwagen in der hauseigenen Garage oder zumindest auf dem Parkstreifen stehen hat, die Kinder – soweit vorhanden – in vernünftige Schulen schicken und sich eine wöchentliche Putzkraft leisten kann.  Man nutzt zwar guten Gewissens schön ausgebaute Straßen, wo man den Zweitwagen bei Sonnenschein mit heruntergelassenem Verdeck spazieren fahren kann und pflegt die Beziehungen, indem man Sonntags zum Grillen in den Garten seines Stadthauses einlädt. Doch mit Schöntaten und guten Reden muss man trotzdem nicht unbedingt Aufmerksamkeit erregen. Weiterlesen „Wohlstand auf dem Lebenskonto – Übelstand im Kopf“