Das viel beschworene Normalarbeitsverhältnis


von Erika Reglin-Hormann

Es wird sich bald im Museum bestaunen lassen. Von einer modernen Zivilisation, die sich bestätigt, dass die Politik des auslaufenden 20. Jahrhunderts ihrem eigenen Fortschritt hinterherlief.

Das Normalarbeitsverhältnis ist defakto nicht mehr haltbar – es ist heute schon Fiktion. Sowohl in der Ökonomie als auch in einer Gesellschaft, die sich derartig drastisch gewandelt hat und deren Bedürfnisse – aufgrund eines sich verändernden Arbeitsmarktes – komplett andere sind als noch in den 70er oder 80er Jahren. Das institutionelle Gefüge der Regulierung des Erwerbssystems – also das heutigen Sozial- und Steuersystem – versucht Normalarbeitsverhältnisse mit heißblütigen öffentlichen Debatten zu konstruieren, während doch bereits längst klar ist: Dies ist keine Normalität mehr, sondern das nicht Loslassenwollen einer Vergangenheit.

Warum sollen wir zu einem solchen Normalarbeitsverhältnis also zurückkehren wollen sollen, wie es in der Bundespolitik so vehement vertreten wird? Der einzige Schluss, den man jetzt noch zulassen kann, ist: das Parlament scheint eine visionsresistente Stätte zu sein. Die Bundespolitiker fürchten um ihre Daseins-Berechtigung. Es ist irritierend.  Weiterlesen „Das viel beschworene Normalarbeitsverhältnis“