Synergiewende – eine erste Definition


Lieber Leser dieses Blogs,

haben Sie sich schon mal gefragt, warum wir ins Weltall fliegen können, die einfachsten Dinge auf der  Erde aber nicht geregelt bekommen? Warum können wir eine Weltraumrakete konstruieren, aber keine nachhaltige Gesellschaftsordnung, welche wirtschaftliche, soziale und ökologische Belange so zusammen bekommt, dass man eben von echter Nachhaltigkeit sprechen kann.

Ich habe mich mit dieser Frage etwas länger befasst und bin zu folgendem Schluss gekommen: Die zu konstruierende Komplexität der Weltraumrakete ist wesentlich größer als die zu regelnde Komplexität für eine nachhaltige Gesellschaftsordnung. Aber woran scheitern wir dann, was ist der Unterschied zwischen den beiden Dingen?

Meine Erklärung dazu ist, dass wir gesellschaftliche Konstruktion einfach nicht auf die gleiche Art und Weise, mit der gleichen Art zu denken und zu arbeiten tun. In der gesellschaftlichen Konstruktions- und Serviceabteilung, also der Volkswirtschaftslehre, wird in diesem Sinne leider keine saubere Arbeit gemacht. Dabei ist den Ökonomen zugute zu halten, dass sie hier eben mit den gleichen Problemen kämpfen, die alle Menschen bei solchen Fragen haben. In den Bildern der  Transaktionsanalyse ist lange bekannt, dass wir verschiedene „Ich-Zustände“ haben. Neben dem rationalen Erwachsenen-Ich als ideales „Konstrukteurs-Ich“, gibt es das von Emotionen geprägte „Kindheits-Ich“ und das von erlernten Dogmen geprägte „Eltern-Ich“. Und diese völlig „unkonstruktiven“ irrationalen Ich-Zustände werden permanent bei einzelwirtschaftlichen, gesellschaftlichen und weltanschaulichen Fragen angesprochen.

Haben Sie: „Über Geld spricht man nicht“ schon mal gehört? Würden Sie es jetzt als Anscheinsbeweis für die obige These gelten lassen, dass das reale Geldsystem aus dem vorherrschenden ökonomischen Grundmodell herausdefiniert wurde? Was solche Modelle dann noch in einer kriselnden Geldwirtschaft taugen, muss ich wohl nicht ausführen?

Können Sie sich eventuell an elterliche Anregungen erinnern, lieber zu sparen als Schulden zu machen?  Sollte es uns dann wundern, wenn Hänschen so eine gute Erziehung hatte, dass Hans Werner Ökonom private Geldvermögensbildung gut findet, aber ihrer gesamtwirtschaftlichen Identität, der Staatsverschuldung, so gar nichts abgewinnen kann?  Dass er an deutschen Exportüberschüssen kein Problem erkennen kann, obwohl dies gesamtwirtschaftlich die bösen Staatsdefizite der Schuldenländer sind?

Merken Sie, was das Problem ist? Ja, die Emotionen solcher Themen, aber auch die erziehungstypische Einteilung gesellschaftlicher und weltanschaulicher Sachverhalte in gut und böse.  Kein Konstrukteur käme auf die Idee, Materialien als  gut oder böse zu bewerten. Jedes Material hat Stärken und Schwächen. Stahlblech rostet schnell und Lack ist nicht mechanisch stabil. Diese Bauteileigenschaften sind völlig emotionslos in einem Stärken/Schwächenprofil erfasst. Nun ist der Konstruktionsprozess einfach ein Prozess der Synergie. Die Materialen werden so kombiniert, dass ihre jeweiligen Stärken ihre jeweiligen Schwächen überwinden.  Und mit dem gleichen Prinzip des Synergiedenkens, statt des Gut/Böse Denkens, könnte man die nachhaltige Gesellschaftsordnung konstruieren. Dies wäre dann die Synergiewende, der gesellschaftliche Wandel durch das Narrativ einer ökonomisch, sozial und ökologisch nachhaltigen Gesellschaft. Einfach nur saubere Konstruktionsarbeit, dies sind „Gedanken jenseits von gut und böse“.

Was muss man also für diese Aufgabe mitbringen? Man muss natürlich schwer erziehbar und emotional gestört sein. Dies mal vorsorglich für Nachfragen bezüglich der Qualifikation des hier schreibenden Synergiewende-Inspirators. 🙂

Gerade wenn diese Definition für Sie nicht zutrifft, dürfen Sie gern mitmachen. Die Synergie liegt in der konstruktiven Kombinationen mit ihren Gedanken. Geben Sie bitte Feedback und Anregungen.  Verbreiten Sie, was Ihnen gefällt.

vielen Dank vorab, Jörg Buschbeck, Vorstand Global Change 2009 eV

PS
hier geht es künftig zum Konstruktionsblatt der synergetischen Gesellschaftsordnung.

Das Modellversagen der „Volkswirtschaftsleere“ nochmal für Normalos


Ich bin zu Recht kritisiert worden, dass die Sprache zum Modellversagen der VWL in diesem Artikel so unverständlich ist. Wer die Herleitung wissenschaftlich prüfen will, muss diesen alten Artikel wohl immer noch lesen, für alle Anderen die Sache nochmal ohne Fachbegriffe. Ihr könnt an Eurem Haushalt sehr gut folgendes sehen:

Kauft ihr mehr ein, als ihr Einkommen habt, baut sich Euer Geldbestand ab. Und umgekehrt habt ihr natürlich immer mehr Geld, wenn ihr mehr verdient als ihr ausgebt. Ob ihr im Geld schwimmt, oder immer mehr Schulden habt,  ist also eine Frage der Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben.

Im Grundmodell der VWL ist aber definiert, dass alle Leute, Betriebe und Staaten genauso so viel ausgeben wie sie einnehmen. Und dies eben nicht nur in Summe, was ja richtig ist, sondern jeder Einzelne gibt exakt so viel aus, wie er einnimmt. Die Ökonomen nennen dies „Prämisse für strengen Gleichschritt“.

Es kann also im Modell der Ökonomen per Definition gar keine Schuldenkrise geben, da das Problem, dass Eingaben und Ausgaben auseinander fallen, einfach wegdefiniert wurde. Auf dieses realitätsfremde Grundmodell als Fundament, haben die Ökonomen
dann ein hochkomplexes Haus mit ganz komplizierten Berechnungen gebaut. Dieses muss jetzt abgerissen werden, da eben nur unnütze Dinge gerechnet werden, wenn die Grundannahmen nicht passen. Die Berechnungen und Rechenwege sind also nicht falsch, nur völlig unnütz, da eben die Probleme nicht enthalten.

Die Ökonomen sind aber absehbar nicht begeistert von dieser Erkenntnis, da diese ja ihr Einkommen gefährdet. Motivieren kann man sie sicher neben der Bloßstellung der Problematik, in dem man  auf die tolle Aussicht und Befriedigung nützlicher Arbeit verweist.

Geld als Phänomen des Ungleichschritts – das logische Modellversagen der VWL


Unser Finanzsystem ist mittlerweile so krank, dass es nur noch mit extremen Staatseingriffen (siehe z.B. Sparguthabengarantie und Notenbankgarantien) vor einem großen Knall bewahrt werden kann. Und das Problem wird speziell für Deutschland durch seine große Exportüberschüsse von fast 9% BIP = Verschuldung der Anderen immer extremer.

Diese Krisen kann die VWL aber weder kommen sehen, noch erklären, noch heilen. Und warum ist dies so? Der Grund klingt fast nach einer Verschwörungstheorie, ist aber belegbar keine Fake-News.  Es gibt das real existierende Geldsystem gar nicht in den Modellen der  Ökonomen, es kann keine Probleme mit dem Finanzsystem geben, da es im Modell nicht existiert.

Und der Sachverhalt ist auch nicht neu:

„Geld  in jeder Form ist immer ein Medium zur Ermöglichung von Abweichungseffekten“

schreibt Wolfgang Stützel in der „Paradoxa der Geld und Konkurenzwirtschaft“ von 1979 auf Seite 181. Abweichungseffekte meint das Auseinanderfallen von Einnahmen und Ausgaben bei Wirtschaftern, auch Ungleichschritt genannt, Geld ist also in jeder Erscheinungsform ein Phänomen des Ungleichschritts, es entstehen Kaufsalden. Diese Kaufsalden  gibt es aber im Walrasianischen Grundmodell nicht, da es gerade strengen Gleichschritt der Einnahmen und Ausgaben als Prämisse hat. Man versucht dann, das Geld als „Ding von der Zentralbank“ wieder über die naive Quantitätstheorie einzuführen, was logischerweise scheitern muss, da es nun mal kein Dingphänomen sondern ein Saldenphänomen des Ungleichschrittes ist.

Stützel hält 1979 an gleicher Stelle fest:

„An diesem Widerspruch krankt die theoretische Nationalökonomie dieser Tradition bis zum heutigen Tage“

Dies ist nun fast 40 Jahre her, es ändert sich nichts, wie Matthias Binswanger hier festhält.
http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2016/12/makrooekonomische-modelle-jenseits-der-realitaet/

Auf meine Nachfrage auf Ökonomenstimme:  „“Wie wollt ihr Saldenkrisen mit einem Modell ohne Salden erklären“ eisiges Schweigen.

Man kann auch nur schweigen, man kann es nicht seriös bestreiten. Wenn man aber zustimmt, kann man das ganze große alte VWL Gebäude abreißen, welches auf ein Sandfundament gebaut wurde.  An dem Dingbild klebt ja eben auch das Tauschparadigma mit dem Tauschmittelding, was man gegen ein Modell des Kapitalismus austauschen müsste. Ein Modell, was noch dazu schrecklich einfach ist. Hier wirken Rationalitätenfallen auf die Ökonomen, welchen man wohl nur mit einer Doppelstrategie aus Bloßstellung und dem Narrativ beikommen kann, welch tolle Aufgabe die ökologische und ökonomische  nachhaltige Gestaltung des Kapitalismus sein könnte. Ja,  wenn man den real existierenden  Kapitalismus denn nun endlich mal statt der fiktiven Tauschwirtschaft als Grundmodell wählen würde.

Begriffe und Personen


A
B
C
D
E
Eigenwert der Verträge
ex ante
Exportsteuer
ex post
F
Freiwirtschaft
G
Geld
Geldvermögen
Gesell, Silvio
Gesinnungsethik
Gleichgewicht
Gleichheit
Gleichschritt
Grundeinkommen
Grundrente
H
I
Investieren
J
K
Kapitalismus
Käufermarkt
Kaufvorsprung
Keynessche_Lehre
Kreditsteuer
Kreislaufgleichgewicht
Konjunktur
L
Lautenbach; Wilhelm
Lenkungssteuer
M
Martin, Dr. Paul C. Martin
Marx, Karl
Monetative
N
Nachhaltigkeit
O
P
Preis, Wert und Macht
Q
R
Rationalitätenfalle
S
Sachwert
Schatten (Wahrnehmung)
Staatsschulden
Stützel, Wolfgang
Sparen
Sozialismus
T
Trugschluss_der_Division
Trugschluss_der_Komposition
U
Unternehmer-Gewinnformel
V
Verantwortungsethik
Verkaufsvorsprung
Verschuldung
Vorfinanzierungsbedarf des Wirtschaftens
Volkswirtschaftliche Saldenmechanik
Verkäufermarkt
W
Wechsel
X
Y
Z
Zahlungsmittel
Zentralbank

Anfrage an Sender Eriwan – worum geht es im Kapitalismus und was hat dies mit dem Exportsaldo zu tun?


  1. Im Kapitalismus wird gewirtschaftet, weil der Unternehmer sich einen Gewinn verspricht. Ohne Gewinn kann (Bank) und will (Weib) der Unternehmer nicht die Einkommen der Nichtunternehmer  vorfinanzieren. Gewinnaussichten sind also ein systemisches Erfordernis. Der ordentliche Gewinn aller Unternehmen eines Landes ergibt sich zwingend logisch aus:Nettoinvestition + Unternehmerkonsum –  Geldvermögensbildung der NichtunternehmerDie Geldvermögensbildung der Nichtunternehmer ist das Saldo aus Privaten, Staat und Ausland.
  2. Die Nettoinvestition kommt nach einiger Zeit ohne Krieg immer irgendwo an der Nulllinie an, dies bedeutet, dass die Abschreibungen die Neuinvestition „aufessen“.
    Und dies bedeutet wiederum, dass ein per Saldo Geldvermögensabbau der Nichtunternehmer zur entscheidenden systemischen Gewinnquelle wird.
    Dies ist durch Verschuldung der Nichtunternehmer (US-Subprime-Variante), unendliche  Staatsverschuldung (der japanische Weg) oder eben durch Exportüberschüsse (der scheinbar goldene Weg der Deutschen) möglich. Exportüberschüsse erhöhen 1:1 die Gewinne der Unternehmen, Importüberschüsse senken diese 1:1. Es geht beim Exportsaldo also um alles Wesentliche, um was Kapitalismus nun mal geht.  Der deutsche Exportüberschuss ist 1:1 Gewinnimport und 1:1 Verschuldungsexport. Für die Importüberschussländer gilt, dass sie die Unternehmer-Gewinne ihrer Länder exportieren und Staatsverschuldung importieren. Trump hat dies erkannt und dies auch dem Führer der „Republik auf dem Marsch“ erklärt. Nach der Bundestagswahl werden wir auch aus Frankreich „unter Beschuss“ geraten. Es wird allerhöchste Zeit, dass wir endlich die Alternativen zur Exportaggression diskutieren.

Nur die Umlage-Rente ist sicher – nicht die Schuldenrente (Riester und Co.)


Was ist Norbert Blüm für den Satz verspottet worden, dass die Rente sicher ist. Nun steht er hoffentlich vor einem Comeback, nicht nur als Late-Night-Talker.

Die Zeit ist reif, eine Rentenreform zu gestalten, die uns zurück zur Sicherheit der Unlagerente führt. Dazu braucht es neue Begriffe, welche die Thematik auf den Punkt bringen. Die Frage ist, Umlagerente oder Schuldenrente. Schuldenrente ist der bessere Begriff für die sogenannte private Vorsorge. Er zeigt sofort auf, wo das Problem liegt. Man braucht für die Schuldenrente Schuldenwachstum, und wenn die Schulden genügend gewachsen sind, dann ist diese Art der Rente pleite.

Natürlich macht es Sinn, dass man die Umlagerente nicht nur auf die Arbeitseinkommen umlegt, es gibt genügend Dinge, die aus ökonomischen und ökologischen Gründen dringend geSTEUERert werden müssen.